2007

Marc Maus verabschiedet sich

Das Jahr 2007 fühlt sich alt an - noch wenige Stunden bis Heiligabend. Inzwischen hat sich, wie der ein oder andere Leser schon bemerkt haben wird, in meinem Leben eine Kleinigkeit grundlegend geändert. Seit November 2007 schreibe ich für die Seite macnews.de über Neuigkeiten aus der Macintosh-Welt. Das hat mit Literatur auf den ersten Blick wenig zu tun, aber hinter den Kulissen dann doch. Die Brücke zwischen Journalismus und Literatur ist fließend, es ist kein Zufall, dass mindestens drei meiner Schreibhelden diese Brücke schlagen oder geschlagen haben: Ernest Hemingway, Georg Stefan Troller und Andreas Altmann. Die neue Arbeit ist auch gleichzeitig einer der Gründe, warum ich mein Blog in letzter Zeit "etwas" vernachlässige. Ob es nächstes Jahr besser wird, kann ich nicht versprechen, aber „er bemühte sich stets“.

Während macnews.de kommt, geht etwas anderes. Marc Maus wird eingestellt, der alte Knabe hat nun über drei Jahre auf dem Buckel, ein eigenes Hörbuch und, wenn alles gut geht, irgendwann im nächsten Jahr ein eigenes Buch. Etwas Wehmut ist dabei, denn die Marc Maus-Kolumne, von David Andel entdeckt und gefördert, war mein Einsteig in die gedruckte Macwelt. Die MacNewsPaper war meines Erachtens das beste Mac-Magazin, das auf dem deutschen Markt publiziert worden ist: Es bot etwas, das beim heutigen Dreigestirn Mac Life, Macwelt und MacUp etwas eng geworden ist: Raum. Und so gab es in der guten alten Zeit, die noch gar nicht so lange her ist, längere Interviews mit Andreas Altmann, Kai Krause über Douglas Adams und etliches mehr. Für Leser dieses Blogs wird Marc Maus aber nicht ganz in der Versenkung verschwinden, aber eine kleine Pause hat er sich, wie ich finde, redlich verdient. In diesem Sinne: Hab vielen Dank, lieber Leser, dass du jetzt da bist. Und ich entschuldige mich bei allen, bei denen ich mich schon ewig nicht mehr gemeldet habe. Das Jahr fühlt sich alt an. 2008 sehen und lesen wir uns wieder.

Frohe Weihnachten!
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Schreiben und überleben



Gabriele Bärtels Artikel Schreiben macht arm in der Zeit spricht mir aus dem Herzen. Das, was sie dort beschreibt, kenne ich ebenfalls nur zu gut aus eigener Erfahrung. Leseempfehlung.
Und einen schönen Sonntag allen, die trotzdem durchhalten.
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Sandrakete und Wieland

Radioheads Aktion, ihre neue CD online zu stellen und es dem Nutzer zu überlassen, ob und wie viel er dafür bezahlen will, hat einiges Aufsehen erregt. Aufsehen, das andere Bands gut brauchen könnten, die schon seit Jahren ihre Alben im Netz verschenken. Wie z. B. die sympathische, dönerbudenerfahrene Bochumer Gruppe „Sandrakete“, deren komplette Discografie Lauschenden zur Verfügung gestellt wird. Mein Tipp ist das Album „s-bahn menschen".

Ein anderes kostenloses Angebot: Die Arno-Schmidt-Refernzbibliothek, welche einige Bücher des perlentauchenden Schriftstellers als kostenlose PDFs zum Download anbietet. Gemäß des Alters der Ausgaben sollte man sich allerdings in den meisten Fällen mit Fraktur anfreunden können.

Unter anderem findet man dort die Werke Christoph Martin Wielands, die in gebundener Ausgabe ein Vermögen kosten oder gar nicht mehr erhältlich sind. Eine wunderbare Idee, ein echter Schatz, der zum Stöbern einlädt.
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Bücher über das Schreiben - Ernest Hemingway

Ernest Hemingway gehört zu den unterschätztesten Schriftstellern. Warum das so ist, hat Philippe Djian gut beschrieben. Der Mythos Hemingway schiebt sich über die Texte.

Ein zweiter Grund hierzulande dürfte auch die dürftige deutsche Übersetzung sein, die gerade in den Dialogen oft nicht funktioniert. Ein gutes Beispiel ist eine der bekanntesten Kurzgeschichten Hemingways, The Killers/Die Killer. Zitate aus der Übersetzung spare ich mir, es sträuben sich alle Tasten dagegen.

Aber ich schweife ab. Es geht um ein Büchlein, das ich jedem empfehlen mag, der sich mit dem Schreiben beschäftigt. Ernest Hemingway on Writing ist eine Sammlung von Sätzen aus Briefen und Werken. Aber Vorsicht. Genre-Schreiber, die den Unterschied zwischen Literatur und Textfabrikation nicht kapieren, könnten irritiert werden.

„Good writing is true writing. If a man is making a story up it will be true in proportion to the amount of knowledge of life that he has and how conscientious he is; so that when he makes something up it is as it would truly be.“
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Bücher über das Schreiben – Philippe Djian

In letzter Zeit habe ich relativ viele Bücher über das Schreiben gelesen. Als „Schreibratgeber“ taugen sie alle nichts, aber ich habe auch meine Zweifel, ob selbst ausgewiesene Schreibratgeber dazu taugen.
Es geht in den Büchern, die ich vorstellen möchte, um eine Reise in das Herz der Sprache und Literatur. Keine ungefährliche Reise. „Schreiben: die Verzweiflung üben.“ Der Satz ist von mir, geschrieben, als ich noch sehr jung war. Es hat einige Zeit gedauert, genauer gesagt bis heute, bis ich ihn verstanden habe.
Geholfen hat mir einer meiner „Schreibhelden", Philippe Djian, der vor allem durch das Buch „Betty Blue“ bekannt wurde. Von Djian gibt es nun ein schmales, neues Buch, „In der Kreide“, in dem er über die Bücher schreibt, die ein Schlag in die Magenkuhle waren. Die ihm den Weg ins Schreiben freigeräumt haben. Es sind ausschließlich Männer, die er vorstellt, und es beginnt passend mit einem Zitat von Bukowski. Die Liste der Autoren ist nicht allzu lang:

Salinger
Céline
Cendrars
Kerouac
Melville
Henry Miller
Faulkner
Hemingway
Brautigan
Carver.

Den ersten Satz des letzten Abschnitts möchte ich abschließend zitieren, bevor ich dem interessierten Schriftsteller empfehle, den Sol Stein zu entsorgen (der mit Literatur so viel zu tun hat wie Dieter Bohlen mit Musik) und dieses Buch schnellstens zu besorgen:

„Der einzige Grund zu schreiben, der eine gewisse Würde hat – die anderen zwingen uns, den Kopf zu senken –, ist das Bedürfnis, sein Bestes zu geben.“
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Rückschau – eine kurze Geschichte über den Wind



Mein Blog lahmt noch immer. In der letzten Zeit ist viel passiert, so viel, dass ich etwas Zeit brauche, um alles in Sprache übersetzen zu können.

Eine der wichtigsten Veranstaltungen in diesem Jahr war für mich „Eine kurze Geschichte über den Wind“ für Gehörlose und Hörende. Um es kurz zu machen: es war dieses Jahr wesentlich entspannter als die erste Aufführung vor zwei Jahren, was an dem wunderbaren Team und besonders an Wiebke Kögel lag. Weitere Fotos von der Veranstaltung und einen lesenswerten Bericht der Schriftstellerin Corinna Luedtke findet man wie immer auf dieser http://www.szon.de/lokales/spaichingen/spaichingen/200709240125.html.

Ein besonderes Erlebnis war auch die Lange Lesenacht in Spaichingen (Presseartikel im Link). Ganz kurz: die Lesenacht war tatsächlich lang, vor allem im „Nacherleben“. Einige Autoren sind mir dort an und ins Herz gewachsen. Jeder, der nicht da war, hat auf jeden Fall etwas verpasst. Doch dazu (hoffentlich) später mehr. An einem anderem Tag, an diesem Ort.

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Wieder da

Die Blogpause war lang. Auch für mich. Es ist viel passiert in den letzten Wochen. Lesung in Spaichingen, die Veranstaltung für Gehörlose und Hörende in Hannover, neue Projekte, neue Perspektiven.

Heute bin ich – endlich – wieder in Berlin, habe meine gewohnte Arbeitsumgebung, finde wieder Worte. Einige hat mir Philippe Djian „geklaut“, dazu die Tage mehr. Auch zu Hemingway, Literatur, das Schreiben und die Schwierigkeiten, dem Leben gegen alle Widerstände Kunst abzutrotzen. Es ist erschöpfend, ein unglaublicher Energieaufwand für ein wenig „Ergebnis“.

Mir fällt der Satz ein „Ich konnte immer in meiner Kunst leben, aber nie in meinem Leben“.

Den heutigen Eintrag möchte ich mit einem Bild von der Generalprobe zu „Eine kurze Geschichte über den Wind“ beenden.

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Nachlese Hamburg und Wind

Die Lesung in Hamburg war umwerfend. Es gibt gute, schöne, intensive – und großartige Lesungen. Diese gehörte zu letzteren.

Ein riesiges Dankeschön an Jan, der einen ausführlichen Bericht geschrieben hat, dem ich kaum etwas hinzuzufügen habe. Es stimmte einfach alles. Das Wetter, der Ort, aber vor allem die Menschen. Nach drei Zugaben, einer langen Nacht und einem entspannten Tag in Hamburg mit meinem Verleger brauchte ich viel, viel Zeit, um wieder in Berlin anzukommen.

Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum die Pause zwischen diesem und dem letzten Eintrag so lang wurde. Die Nudelsuppe war fleißig, die Vorbereitungen für die Veranstaltung „Eine kurze Geschichte über den Wind“ gehen in die entscheidende Phase. Heute wurde der Text fertig, der mich fast in einen erweiterten Wahnsinn getrieben hatte (normal wahnsinnig bin ich ja schon). Nach etlichen Ansätzen, vielen geschriebenen und wieder verworfenen Textentwürfen passte plötzlich alles.

Auf der Webseite zu der Veranstaltung ist auch der neue Flyer zu bewundern, den ich ziemlich gelungen finde. In den nächsten Tagen wird auf der Seite noch einiges passieren.
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Der Stand der Dinge

Nur noch zwei Tage bis zu der Lesung in Hamburg. Inzwischen gibt es einige Zusagen, über die ich mich besonders freue. Alte Freunde und Bekannte, die ich ein wenig aus den Augen verloren habe. Das Jahr rast. Trotz Chaos war/ist es besonders produktiv (worunter allerdings meine sozialen Beziehungen deutlich leiden).

Die gute Nachricht: Meine Erzählung ist fast fertig, das Rohmanuskript steht. Für die Überarbeitung habe ich mir eine Deadline bis Ende August gesetzt.

Ob die Geschichte gut ist? Und wie. Ich war seit Mitsu von keinem Manuskript so überzeugt wie von diesem. Mehr kann ich im Moment noch nicht offiziell sagen, mit ein Grund, jetzt so schnell wie möglich das Buch abzuschließen und auf den Weg zu bringen.

Übrigens nehme ich dem alten Hem seine drei Seiten pro Tag nicht ab. Wobei das Schreiben auf den guten alten Schreibmaschinen sicherlich ein anderes Arbeiten war als auf elektronischen Schreibhilfen. Um die Geschwindigkeit, in der mein Buch entstanden ist, etwas zu relativieren: ich war am Thema schon vorher dran, hatte schon etliche Seiten geschrieben; die Konstruktion stimmte nicht. Das Manuskript gärte also, um, endlich und letztlich unerwartet, hervorzubrechen.

Es gibt nichts Unberechenbareres als das Schreiben, nichts, was mir mehr Glück und Unglück, Verzweiflung und Hoffnung zugleich ist.
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Krokodile

„Welchen Aufwand an Leben man betreiben muss, um nur einen halbwegs gelungenen Satz schreiben zu können“, sagte Eileen.
„Du bist erst Zwanzig“, sagte ich.
„Wird das später besser?“
„Nein, schlimmer. Viel schlimmer.“

„Kannst du mal ziehen?“ Sie beugte sich über den Tisch und bot mir ihr Ohr an.
„Am Ohr?“
„Am Ohrstecker. Ich bekomme den linken nicht raus.“
„Seit wann?“
„Was für ein Tag ist heute?“ fragte sie.
„Mittwoch.“
„Schön.“ Sie wackelte kurz mit dem Ohr. „Nun mach schon“
„Mach noch mal.“
Eileen wackelte wieder mit dem Ohr. Es war ein ungewöhnlich hübsches Ohr, wie ich jetzt feststellte. Ich griff zu.
„Aua. Grobian.“
Ich lächelte.
Sie zog die Nase kraus, nahm aber den Ohrstecker an sich, den ich ihr reichte.
„Warum möchtest du unbedingt schreiben?“ fragte ich.
„Weil ich so viele Gedanken im Kopf habe, die da drin gefangen sind. Wie Tiere im Zoo. Ich mache dann die Käfigtüren auf, die Elefanten mit den riesigen Schlappohren überfallen Bäckereien, Strauße laufen um die Wette den Kudamm hoch und runter und Krokodile fressen Männer, die einen enttäuschen.“
„Dann bleiben nicht viele Männer übrig. Was ist mit den Frauen, die einen enttäuschen?“

„Bestellst du mir noch etwas zu trinken?“
„Wieder ein Sex on the Beach?“
„Findest du mich hübsch?“
„Wie Apfelmus.“
Sie wackelte wieder mit den Ohren.
„Kannst du das auch?“
Ich versuchte es.
„Warum schreibst du? Du kannst nicht mal mit den Ohren wackeln. Du bist ja ganz nett, aber mit Ohren, da solltest du dich etwas besser auskennen.“
Ich nickte. „Werde ich jetzt von einem Krokodil gefressen?“ fragte ich.
„Das überlege ich mir noch.“
„Ich würde gern noch ein bisschen am Leben bleibe.“
„Und dann?“
„Bestelle ich dir einen Sex on the Beach.“

Eileen wackelte mit den Ohren. Ich kräuselte die Nase. Sie lachte. Ich sah, wie die Käfigtür sich vor mir öffnete.
Gleich morgen würde ich eine Bäckerei überfallen, den Kudamm hoch und runter rennen, und alle Frauen fressen, die mich jemals enttäuscht haben.

Text für den Schreibwettbewerb der Büchereulen, Juli 2007, Thema „Frei“.
Der Name wurde wieder in „Eileen“ geändert.


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Wie man einen Roman schreibt

Es ist ganz einfach.

Man schreibt jeden Tag eine Anzahl von Seiten/Wörtern, die man sich vorgenommen hat. Jeden Tag. Regelmässig. Ausreden gibt es nicht.

Seit fast zwei Wochen versuche ich es, mit mehr oder weniger Erfolg. Mein Ziel sind 1.000 Worte am Tag (meine „Schreibmaschine“ zählt leider nur Worte, und keine Zeichen), inzwischen bin ich, trotz mehr als widriger Umstände, bei meiner neuen Erzählung bei knapp 16.000 Worten. Allerdings mussten auch schon etliche daran glauben.
Ich werde das weiter beobachten – und schreiben.

Wie es übrigens der Zufall will, entsprechen 1.000 Worte etwas mehr als drei Manuskriptseiten im Standardformat – das Tagespensum von Ernest Hemingway.

[Update: Inzwischen habe ich das Zeichenzählprogramm für das Psion-Netbook gefunden; ich bleibe aber bei den Worten.]
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Schreibmaschine für Schriftsteller




Wie sieht eigentlich das ideale elektronische Arbeitsgerät für Schriftsteller aus?
Für mich so:

Hervorragende Tastatur
Geräuschlos (Flash statt Festplatte)
8 Stunden Akkulaufzeit
Akku aufladen in 30 Minuten
Um die 1 Kilogramm Gewicht
Bombensicheres Betriebssystem
Kein ablenkender Multimedia-Schnickschnack
Instant on und off: aufklappen und sofort schreiben können, zuklappen und fertig
Robust und unverwüstlich
Lederapplikation auf dem Gehäuse
Gute, durchdachte Programme für Text, Adressen, Datenbank, Tabellenkalkulation, Agenda
Programme starten sofort
Aufnahmefunktion (Diktiergerät)

Gibt es nicht? Stimmt, nicht mehr, aber das Gerät gab es und wird heute noch verkauft: Es heißt Psion Netbook (womit dieser Artikel auch ein liebevoller Nachruf wird). Ich arbeite seit dem Jahr 2000 mit einem Netbook, das ausgiebige Reisen, über die Tastatur gekippte Wassergläser, Stürze vom Schreibtisch und noch einige andere Katastrophen überlebt hat – vor allem mich. Schätzungsweise 99 Prozent meiner Texte entstehen auf diesem kleinen robusten Wunderwerk der Technik, bevor sie zur Weiterbearbeitung auf dem Mac landen. In meiner Zeit in Paris war es dank der „eigenen“ Erscheinung sogar ein wunderbares Mittel, um von schönen Frauen angesprochen zu werden.

Kleinere Nachteile will ich aber auch nicht verschweigen. Die Anschlüsse sind veraltet (seriell, Infrarot), das Betriebssystem (Symbian) ebenfalls. Im PC-Card-Slot funktionieren nur wenige Karten, meistens fehlen unterstützende Treiber - Sicherheitsstandards über WEP hinaus funktionieren gar nicht. Die mitgelieferte Textverarbeitung ist gut und vor allem schnell, reicht aber von der Funktionsvielfalt nicht an große Programmpakte heran. Schreibmaschine eben. Größtes Manko ist vielleicht das passive, 7,7 Zoll große Touchscreendisplay, das schon bei geringer Sonneneinstrahlung kaum mehr abzulesen ist. Die Auflösung von 640x480 Pixeln lässt zudem Bearbeitungen nur begrenzt komfortabel zu. Wenn ein Gedanke trotzdem unbedingt festgehalten werden muss, muss man eben blind getippt. Internettauglich lässt sich das Gerät mit einigen Verrenkungen auch machen, worauf ich allerdings aus gutem Grund inzwischen verzichte. In Paris war das noch anders, im Zusammenspiel mit einem Nokia 7110 war das Netbook für einige Zeit mein Draht zur Außenwelt.

Inzwischen hat auch der Nachfolger, das Netbook Pro, das Zeitliche gesegnet. Es beseitigte einige Mankos und bot einen helleren, hochauflösenderen Bildschirm, brachte aber andere Probleme mit sich. Gummi ersetzte das Leder, Windows CE ist als OS eine Strafe für den Anwender aus Redmond. DIe DLL-Hölle lässt grüßen.

Wer nun unbedingt noch ein Netbook abseits von eBay ergattern möchte: der Händler Pulster hat sich auf Psions spezialisiert und bietet nach wie vor Neu- und Gebrauchtgeräte nebst Zubehör an. Eine gute Anlaufstelle für Fragen, Programme und Infos ist die Webseite Psionwelt.
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Habana Blues

„Liebe und Tod in Havanna“ – so hübsch eingekitscht wurde der Originaltitel Habana Blues übersetzt. Letztlich wollen beide Titel nicht so recht zum Buch passen; weder Blues, noch Tod spielen eine herausragende Rolle (auch wenn eine Nebenfigur sterben muss).

Es ist der erste Roman von Jérôme Savary, geboren in Buenos Aires, der mit einer kubanischen Frau verheiratet ist und laut Klappentext zwischen Paris und Kuba pendelt.

Das Buch besteht aus zwei Teilen, der erste beschreibt Jo, der zweite ist aus der Perspektive seines Vaters geschildert.

Fangen wir mit dem ersten Teil an. Jo lebt in Paris und möchte Hemingway sein. Über den Titel und ersten Satz kommt er nicht hinaus, woran er hauptsächlich Anne, seiner hübschbrüstigen Frau, die Schuld gibt. Im Bett läuft der „große Rex“, aber ansonsten bekommt Jo Leben, Beziehung und Arbeit nicht in den Griff. Nachdem ihn Pferdewetten auch noch in Schulden bei Vater und Frau stürzen, naht Rettung: ein Job für eine Fluggesellschaft auf Kuba. Er fliegt, gibt die Schriftstellerei auf, lässt sich treiben und verliebt sich. Er korrespondiert weiter mit Anne, immerhin war der Sex super, und die beiden mögen sich auch noch irgendwie. Trotzdem die Inhaltsangabe erahnen lässt, dass die Story psychologisch eher wackelt und so oder ähnlich tausendfach geschrieben wurde, habe ich diesen Teil noch gern gelesen.

Das Grauen beginnt mit dem zweiten Teil. Der Autor legt seinem Protagonisten ein „er fühlte sich wie in einem Kitschroman“ in den Mund. Ein solcher Satz darf natürlich nicht ungebrochen bleiben, bleibt er aber. Halbherzige, überflüssige Action am Schluss, ein peinliches, fiktives Gespräch mit Fidel Castro, zwei Papageien, die fluchen und Furzgeräusche nachahmen usw. verbinden sich mit einer oberflächlichen, hastigen Schreibe. Wurde im ersten Teil noch der Charakter Jos halbwegs überzeugend gezeichnet (und war sprachlich etwas unsicher, aber zeigte Formwillen), werden sämtliche Charaktere im zweiten Teil so platt, dass man sie unter der Tür durchschieben kann. Unvermeidlich scheint auch die Buena Vista Social Club Romantik zu sein, die natürlich auch irgendwie zwischen Rum und Zementbeschaffung untergebracht wurde. Dieser Teil wirkt, als wäre Savary nichts mehr eingefallen, und als wollte er das Ding möglichst schnell abschließen.

Trotzdem, das Buch ist kein Totalausfall, es hat seine Momente. Insgesamt aber bleibt mir nur zu sagen: Keine Empfehlung, kein Amazon-Link.
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Die Nackten von nebenan



Eine kleine Lesung in Berlin steht wieder an; nachdem die letzte lediglich einem kleinen Kreis wohlhabender Damen vorbehalten war, wird diese hier nicht nur öffentlich sein, sondern verspricht auch prickelnde Erotik. Denn das Atelier & Galerie Flackerlight eröffnet am 5. Oktober 2007 unweit meiner Jugendstilresidenz mit einer Ausstellung von Ronald Puhle, aufmerksamen Bloglesern auch als Mausmaler bekannt.
Der Titel „Die Nackten von nebenan“ verspricht intime Einblicke in das Leben dieser armen, aber sexy Stadt.

Die Nackten von nebenan
Atelier & Galerie Flackerlight
am 5. Oktober 2007 um 18 Uhr
Sybelstraße 46
10629 Berlin

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Suchbegriff des Monats Juni/Juli

Leider werden mir nur die „ersten“ 20 Suchbegriffe aufgelistet. Einige besonders skurrile sind mir dadurch „entschlüpft“, aber übrig geblieben sind:

Hornbrille
Nackte schlafende Frauen

und

Der rätselhafte Hund.

Letzterer ist mir tatsächlich ein Rätsel. Die meisten Menschen verirren sich übrigens, und das seit Monaten, über das Apple iPhone auf diese Seiten, gefolgt von Little Nemo in Slumberland. Immerhin.


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Eine kurze Geschichte über den Wind



„Eine kurze Geschichte über den Wind“ heißt die Veranstaltung für Gehörlose und Hörende, die am 30. September 2007 in Hannover uraufgeführt wird.
Die Webseite dazu geht heute bzw. ist jetzt offiziell online.

Ich hoffe natürlich, dass diese Inszenierung den Erfolg der ersten Aufführung wiederholen kann, die anlässlich des Gedenkjahres für Kurt Morawietz im September 2005 ebenfalls auf der Bühne des Kommunalen Kinos stattfand.

Ein riesiges Dankeschön an alle, die dieses ungewöhnliche Stück unterstützen und damit ermöglichen!
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Japaner in Nudelsuppe



Das hohe Lied der Nudelsuppe sang einst der großartige Film Tampopo (auf dessen hiesige DVD-Veröffentlichung ich immer noch warte).

Wie weit die Lust auf Nudelsuppe gehen kann berichtet SpOn heute: Japaner planschen in Nudelsuppe
In einem Erlebnisbad darf man sich in eine Nudelsuppenschüssel tauchen – die statt mit Brühe aber lediglich mit warmen Wasser und nudelförmigen Badesalz gefüllt ist.

Von mir gibt es natürlich einen herzlichen Gruß. Es ist schön, wie konsequent dort Ideen umgesetzt werden, die bei uns lediglich heftiges Kopfschütteln auslösen würden. Oder verfügt ein hiesiges Erlebnisbad schon über das Modell „Erbsensuppe mit Frankfurter Würstchen“?
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Richling über Schäuble

Passt.

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Abschied von der Freiheit

Diese Woche wird es also ein „Machtwort“ geben:

Angela Merkel zur Online-Durchsuchung

Nicht Schäuble ist das Problem, sondern dass seine Partei auf seiner Linie ist.
Was mich im Augenblick resignieren lässt ist aber die Einsicht, dass den meisten Mitbürgern Sicherheit über Freiheit geht; so lange die Freiheit des Konsums nicht angetastet wird.
Es wird Zeit, sich von der Freiheit, wie wir sie für einige Jahrzehnte kannten, zu verabschieden.

Dazu ein Beitrag des Magazins „Monitor“: Schäubles Lust an der Überwachung


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Riesenmaschine löscht Bachmann

Vorweg: Der Grimmepreisträger Riesenmaschine gehört zu den besten Blogs, die man im deutschsprachigen Teil des Netzes finden kann. Aufsehen erregte die betreibende ZIA (Zentrale Intelligenz Agentur) aber vor allem durch Kathrin Passig, die sich 2006 sowohl den Bachmann- wie auch den Publikumspreis schnappte, was unter anderem zu einer Diskussion über die Authentizität von Schriftstellern vs. intelligente, zielgerichtete Produktion von Texten führte. Ein Streit, der in Klagenfurt dieses Jahr vor allem von Karl Corino weitergeführt wurde, der die reale Erlebniswelt als ästhetisches Argument anführte (und mit diesem Konzept der Präpostmoderne kläglich scheitern musste).

Auch dieses Jahr war die ZIA in Klagenfurt, hauptsächlich als Beobachter. Die propagierte Unterwanderung des Betriebes wurde den „kumpelhaften Autoren“ Jochen Schmidt und Martin Becker überlassen, die aber beide preislos blieben (was im Fall Jochen Schmidts tatsächlich nicht ganz fair war).

Am Sonntag um 21.00 Uhr erschien dann ein Blogeintrag in der Riesenmaschine, der die Preisträger so beschrieb:
„Die Sieger sind 3 blasse, zitternde Nervenbündel und ein Scherzkeks."

Aus dem ganzen Artikel sprach Enttäuschung. „Sprach“ deshalb, weil die Riesenmaschine den Eintrag einen Tag später löschte. Ganz und gar. Ein etwas fader Nachgeschmack bleibt bei der ganzen Aktion. Dank Google Cache ließ sich der Stein im Zahnradgetriebe aber doch noch für einige Zeit nachlesen.

[Update]

Nun dürften, endlich, (fast) alle digitalen Spuren getilgt sein. Der fade Nachgeschmack bleibt.
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Schattenspiel

Mitternacht. Es ist still, seltsam still in mir. Ich erinnere mich an die Geräusche, die eine Berührung auslöste. Ich erinnere mich an die Figuren, die unsere verflochtenen Hände malten gegen die Leinwand eines weißen Himmels. Ich erinnere mich an den Duft, der von deinem Körper aufstieg, aus den Nischen und Winkeln, Falten und Einebnungen. Ich erinnere mich daran, mit dir die Liebe gemacht zu haben, auf meinem Bett, das nach Süden ausgerichtet ist. Dein Zögern, als mein Mund zuvor noch nie geküsste Haut schmeckte.
Ich zünde mir eine Zigarette an, der glühende Punkt ist ein Sonnenuntergang, der schwer im schwarzen Fleisch der Nacht liegt.
„Wer bist du?“ frage ich mein Kopfkissen. Es schweigt. Der Tabak verbrennt leise knisternd. Auch die Bettdecke schweigt.

„Ich gehe nach Afrika.“
„Warum?“ fragte ich.
„Ich weiß es nicht.“
„Das ist unlogisch“, sagte ich.
„Gib mir eine Zigarette.“
„Ich sollte die Fensterscheiben schwarz bemalen.“
„Warum?“
„Einfach so.“

Wir rauchten. Die Entfernung zwischen unseren Körpern wurde größer, mein Kopfkissen schwieg.
„Lass uns ein Spiel spielen“, sagte ich.
„Was für eins?“
„Wenn du in Afrika bist, dann möchte ich deinen Schatten lieben. Zwischen dem 22. und 23. Juni, eine Stunde lang, ab Mitternacht.“
„Das ist fair.“
„Woher weiß ich, dass es passiert, dass du wirklich da bist?“ fragte ich.
„Vertrau mir.“

Ich warte. Es ist ein Uhr, die Stunde ist vorbei, die Gegenstände schlafen schon. Ich streiche über die Decke, die Kissen, sie erinnern sich an dich.
Sie träumen von dir.

Text für den Schreibwettbewerb der Büchereulen, Mai 2007, Thema „Spiel“.
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Leserunde beim Literaturreport



Eine Leserunde zu „Mein Leben mit Mitsu“ hat gestern auf der Seite des Literaturreports begonnen, an der sich auch die Autorin Corinna Luedtke beteiligt. Erstes Fazit nach einem Tag: Ich bin hin und weg.

Ein riesiges Dankeschön an alle, die sich an der Leserunde beteiligen!

Nachlesen (zum mitlesen ist es auch noch nicht zu spät) kann man alles hier.
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Lesung in Hamburg, Mathilde Café



Am Dienstag, den 14. August 2007 werde ich erstmals (endlich) in Hamburg lesen:

Mathilde Café
Bogenstraße 5
20146 Hamburg

Beginn der Veranstaltung: 20.00 Uhr
Der Eintritt kostet 4,– €

Zusätzlich wird Iris Luckhaus ihre Bildern aus dem Buch „Mein Leben mit Mitsu“ präsentieren.

[Update]
Die Lesung findet im Café statt, die Ausstellung voraussichtlich in der benachbarten Bar
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Bachmannpreis im Netz

Blogger bloggen mit. An einigen Stellen im Netz kann man den Bachmann-Preis nachlesen und nachvollziehen – sehr viel besser als hier, da ich mich nur auf kurze Kommentare beschränkt habe. Es gibt von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Wissenswerkstatt
Kompetent und einfühlsam. Eine großartige Zusammenfassung. Inzwischen weiß ich auch, warum, hier schreibt ein Profi: Marc Scheloske (der nebenbei den ersten und einzigen Kommentar auf Nudelsuppes Welt verfasste). Lesenswert ist auch sein Artikel für den Focus, Szenen aus dem literarischen Soziotop.

Die Autorin Hella Streicher ist eine treue Klagenfurtbeobachterin, die eine Art Hass-Liebe mit dem Bewerb verbindet. Die hitzige Diskussion um den Vortrag von Björn Kern ist ebenfalls lesenswert (mir fehlen ein wenig die Diskussionen; vor allem in den Autorenforum wird erstaunlich wenig Klagenfurt diskutiert).

HWeblog
Mitgeschnitten hat Hella Streicher auch diesen hörenswerten Radiobeitrag als MP3: Corino vs. Radisch
Ein Gespräch mit Iris Radisch, Karl Corino, Klaus Nüchtern und Ilma Rakusa.
Neben dem Streit über die Diskussionsverweigerung von Corino und März bezeichnet sich Frau Radisch als Bachmannpreis Auslaufmodell.

Westropolis von Juliette Guttmann ist übersichtlich strukturiert und bildet den ganzen Wahlvorgang vorbildlich ab. Auch sie ist erstaunt, dass Jochen Schmidt leer ausging.

Eben so genau, sogar inkl. Kleidungsvorhersagen, ist der MezzoSopran.
Die Vorhersage, dass Licht einen Preis gewinnt, aber nicht den Bachmannpreis, stimmte, ebenso wie Böttcher für den Willner-Preis (da saß bei mir Jochen Schmidt).

Entsetzt war Andrea Diener, dass Michael Stavaric in der (mit 8 Autoren tatsächlich kurzen) Shortlist auftauchte. Dazu das pistaziengrüne Hemd. Lutz Seiler mag sie nicht, je nun, und Stangl scheint sowieso niemand außer mir in der Blogszene zu schätzen.
Locker und schön geschrieben, außerdem hat die Seite hübsche Bilder.

Lotrees hatte leider keine Zeit, verweist aber auf andere Blogs – und netterweise auch auf mich. Ein herzliches Dankeschön dafür!

Auch ein herzliches Dankeschön an Markus Kolbeck, dessen Seiten ich vorher nicht kannte – werde ich jetzt nachholen. In seinem Leipziger Bücherlei findet man eine hervorragende Linksammlung, hier einen kurzen Bericht zu Jochen Schmidts Vortrag (mit Nudelsuppenzitat).

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Bachmann Fazit und Preise

Meine Reihenfolge

1. Lutz Seiler
2. Thomas Stangl
3. PeterLicht

Glaskugel „Preise“

1. Lutz Seiler
2. PeterLicht (+ Publikumspreis)
3. Jochen Schmidt
4. Jan Böttcher

Tatsächliche Preise

1. Lutz Seiler (Bachmann-Preis)
2. Thomas Stangl (Telefonanbieterpreis)
3. PeterLicht (3sat-Preis)
4. Jan Böttcher (Ernst-Willner-Preis)
5. PeterLicht (Publikumspreis)

Huch. Meine Reihenfolge war akkurater als die Glaskugel. Lutz Seilers Romananfang war nicht nur hinreißend, sondern das einzige Stück, das die Anmerkung „Weltliteratur“ verdient. Etwas enttäuscht bin ich, dass Jochen Schmidt leer ausging, positiv überrascht, dass Thomas Stangl den 2. Platz erobern konnte. Damit wurde ein Text ausgezeichnet, der ganz und gar nicht massenkompatibel ist. Corino trat natürlich wieder nach und bezeichnete die Wahl zwischen Thomas Stangl und PeterLicht als Wahl zwischen Pest und Cholera. Eine absolute Entgleisung.
PeterLicht holte sich wie zu erwarten war den Publikumspreis, Jan Böttcher den Ernst-Willner-Preis.
Da PeterLicht sich noch immer nicht zeigen mag, nimmt Wolfgang Farkas von Blumenbar die Urkunde kurz und schmerzlos in Empfang.

Anmerkungen zur Jury

Iris Radisch
Hatte für mich dieses Jahr ihr Jahr, auch wenn es zum offenen Schlagabtausch mit Corino kam. Früher hatte ich das Gefühl, ihr beim Denken zuzuhören. Dieses Jahr waren ihre Kritiken meist auf dem Punkt.

Karl Corino
Hat keine Lust mehr und wirkt wie ein Fremdkörper. Brachte etwas Aufregung hinein und bekam von Iris Radisch (zurecht) einen auf den Deckel.

Martin Ebel
Der Teddybär unter den Kritikern, farblos.

André Vladimir Heinz
Ich mag den Kerl, manche seiner Beiträge waren echte, etwas abgehobene Highlights. Eine wichtige Ergänzung.

Ursula März
Auch wenn ein Gentleman nicht genießt sollte er manchmal schweigen.

Ijoma A. Mangold
Toller Name, kein schlechter Auftritt.

Klaus Nüchtern
Hat mir sehr gefallen.

Ilma Rakusa
Sie geht etwas unter, ihre Kritiken meandern, am Ende weiß man oft nicht mehr, was sie eigentlich sagen wollte.

Daniela Strigl
Zuverlässig, blieb aber auch dieses Jahr unter ihren Möglichkeiten.


Fazit

Der dieses Jahr männerdominierte Bewerb war insgesamt OK. Lutz Seiler lieferte einen Text ab, der auf Weltliteratur-Niveau liegt. Ein Höhepunkt war auch die Geschichte und der gesichtslose Vortrag von PeterLicht, der aber mit Abstand etwas verliert. Peter Stangl war für mich eine Überraschung, weil ich diese Art Texte sonst nicht so schätze. Die Kritikerdiskussionen blieben meist etwas leblos, waren aber nicht so mäandernd selbstdarstellerisch und/oder arrogant wie in manchen Jahren zuvor. Insgesamt hat es Spaß gemacht, es war eine teilweise wilde und bunte Mischung verschiedener Textsorten. Es dürfte für jeden etwas dabei gewesen sein, außer für ausschließliche Genre-Leser.
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Bachmann Round Three

Dieser Eintrag wird laufend ergänzt/aktualisiert.
Der Kommentar zum jeweils vorgetragenen Text entsteht vor der Rezeption Jurydiskussion.


Der letzte Tag. Es geht weiter mit

9 Uhr
Jan Böttcher
Eine präzise erzählte Geschichte, die Höhepunkte liegen in kleinen Beschreibungen, wie gleich am Anfang:
Für Oktober stand der Fluss recht hoch, Wind riffelte das Wasser auf, und die Strömung zog die Fähre anfangs so stark flussabwärts, dass sie in einer Kurve auf den östlichen Anleger zuarbeiten musste. Der satte Bass des Dieselmotors strömte ihm in die Füße, unruhig hob und senkte sich vor ihm der Bug.
Es gibt einiges zu entdecken. Auf der Handlungsebene sehe ich Schwächen, denn in dieser „Geschichte vom Nichts“ werden zu viele Motive angeschnitten, die in der Luft hängen und so klischeehaft wirken. Man merkt dem Text die Schreibbewegung an.

Die Kritiker sind insgesamt angetan, aber nicht ganz und gar überzeugt.

10 Uhr
Björn Kern
Zwiegespalten. Es geht einiges (fast alles) schief in dem Text, gleich der Anfang stimmt nicht: „Elsa Lindström lauschte seit Stunden der Stille, diesem leise surrenden Nichts“
Ein m. E. unnötiger Perspektivwechsel in der Mitte, zu viele viel zu aufdringliche, ungenaue Bilder. Trotzdem hat die Geschichte etwas, trotz heftiger Mängel ist da etwas, das erzählt werden muss (innere Notwendigkeit der Geschichte) und in Ansätzen auch gelingt.

Vollverriss.

11 Uhr
Thomas Stangl
„Der Leser als Komplize“ – das gefällt mir.
Sätze wie Klapperschlangen, die sich durch das Gebüsch der Kindheit und Gegenwart schlängeln. Wien. Alles, was man an der Wiener Caféhausliteratenkultur hasst und liebt, ist hier. Die Lesezeit von einer halben Stunde begrenzt den uferlosen Text. Ich mag ihn. Die Kritiker dürfen die Ästhetik behalten.

Hat mit Abstrichen gefallen.

12 Uhr
Martin Becker
Nicht schlecht, auch der Vortrag, aber nicht mein Fall. Sprachlich gut, eine relativ „einfache“ Erzählung, in der mir aber fehlt, was mich interessieren könnte. Schoßhündchenhaft.

Die Kritiker sind teilweise angetan, wenn auch nicht gerade euphorisch.
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Bachmann Round Two

Dieser Eintrag wird laufend ergänzt/aktualisiert.
Der Kommentar zum jeweils vorgetragenen Text entsteht vor der Rezeption Jurydiskussion.


Gleich geht es wieder los. Die Nacht war etwas zu kurz, in meinem Kopf nisten zwei Buntspechte.
Einer der Tage, an dem der Kaffee auch nichts nutzt. Falls ich irgendwann mal in Klagenfurt lesen sollte - bitte nicht am zweiten Tag oder dritten Tag um 9 Uhr!

9 Uhr
Silke Scheuermann
Vielleicht liegt es an den Buntspechten; aber der Text kann sie nicht vertreiben. Der Anfang ist bereits fragwürdig, aber möglich, wenn die bemüht originellen Beschreibungen hinterlegt werden. Werden sie nicht, oder ich habe etwas übersehen (natürlich ist genug Futter für die Kritiker angelegt, ist ja schließlich Klagenfurt). Völlig daneben gehen die künstlichen, langweiligen Dialoge.
Zitat: „Es war, als hätte sie stellvertretend für mich gebüßt, das war nicht fair, aber es fühlte sich an wie eine Lösung. Ich meine: die Lösung in einer Geschichte, die nicht fortgesetzt werden muss.“

Zustimmung. Ich brauche noch mehr Kaffee.

Langsam wird mir das unheimlich. Iris Radisch spricht mir aus der Seele, wenn sie die Sprache vom Inhalt löst und kritisiert. Der Text ist umstritten, ein Teil der Kritiker fällt m. E. auf das oben erwähnte Futter rein.

10 Uhr
Ronald Reng
Die Lesung lasse ich links liegen (ich komme mit der Vortragsart gar nicht klar) und konzentriere mich nur auf den Text am Bildschirm. Der Prolog eines Romans. Das Setting, ein Hotel, gefällt mir. Nach Scheuermanns Klischeerollenprosa gefällt mir auch die anfangs klarere Sprache. Aber je weiter der Text vor sich geht, umso lauter hacken wieder die Buntspechte. Würde ich den Roman lesen wollen? Nein. Auch hier gibt es übrigens wieder ein bisschen Blut. Vielleicht spüren die Autoren, dass ihre Texte ansonsten blutleer blieben.

Die Kritiker mögen den Text ebenfalls nicht. Damit startet der Tag mit zwei Geschichten, die sich im Scheitern seltsam verwandt sind.

11 Uhr
Dieter Zwicky
Ich bin auf der Suche nach Aspirin. Irgendwo müssen noch zwei sein.
Ok, ich kann dem Text jetzt nicht gerecht werden. Musikalität hat er, liebenswerte Bilder, der Schluss ist brillant: Auf den Hauptpfaden warten gähnende Pferde. Kühe mit erhobenem Schwanz gibt es nur anderswo.

Die Jury ist geteilter Meinung, insgesamt aber eher positiv gestimmt.

12 Uhr
Michael Stavaric
Inzwischen habe ich sowohl das Aspirin gefunden, wie auch das reale Leben abseits des Bildschirmes verdaut. Den Text von Michael Stavaric noch nicht ganz. Er besteht aus Schlüsselreizen, also viel Sex, Anspielungen, Kopf, viel Kopf, nur Kopf, Kopfschmerzen. Die Fassung des heutigen Vormittags trifft auf meine Verfassung, die völlig unverträglich sind. Im Moment laste ich das mir an, nicht dem Bewerb. Es gibt eine Spur bei Stavaric, die ich interessant finde. Der Stoff, unter dem das nackte Fleisch liegt, wirkt aus manchen Blickwinkeln transparent, im nächsten wieder blickdicht.
Waren das wirklich Aspirin vorhin?

Auch die Kritiker tanzen um das goldene Kalb dieser sehr österreichischen Textur, die Meinungen streben auseinander.

15 Uhr
Milena Oda
Ein Text, der durch die Literatur stampft. Nicht uncharmant, aber es ist noch nicht da: die Geschichte, die Ausformung, das, was über das Spiel des „Schriftsteller seins“ führt. Vielleicht später, vielleicht erschließt sich dieser Romanauszug erst mit dem, was davor oder danach steht. Vielleicht auch nicht.

Die Juroren, bis auf den Pflichtverteidiger, stechen Nadeln in den Luftballon, der trotzdem nicht platzen will. Die Diskussion machte den Text trotz Vernichtungswunsch größer als er ist.

16 Uhr
Kurt Oesterle
Wieder ein Romanauszug, in dem die Prämisse geschwätzig/deskriptiv ausgebreitet wird. Gekonnt, aber verstaubt. Je weiter sich der Text wälzt umso schwerer fällt es mir, dem Autor folgen zu wollen. Nicht mein Fall. So überhaupt gar nicht.

Die Kritiken sind ok, nicht euphorisch, aber der Romananfang wird auch nicht in den Boden gestampft. Etwas lauwarm.

17 Uhr
PeterLicht
Das erste gute Video. Der erste überzeugende Text an diesem Tag. PeterLicht, der sein Gesicht dem Fernsehen verweigert, rettet mir (und bestimmt auch anderen) den Wettbewerb. Ein wenig ist es die bessere Version von dem, was Jochen Schmidt gestern versucht hatte. Kann man eigentlich von einem Passig-Prinzip sprechen? Vielleicht übertreibe ich auch, aber – egal.
Wird einen Preis gewinnen. Mindestens einen.

Ach ja, fast vergessen. Die Juroren waren ebenfalls nahezu restlos hin und weg.


Damit schließt sich der zweite Tag. Es regnet, leise. Ein wunderbares Geräusch nach den Wortschauern heute.
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Bachmann Round One

Dieser Eintrag wird laufend ergänzt/aktualisiert.
Der Kommentar zum jeweils vorgetragenen Text entsteht vor der Rezeption Jurydiskussion.

9 Uhr
Jagoda Marinic
Es stimmt, was Hanns-Josef Ortheil gestern in der Eröffnungsrede sagte. Wer beim Video versagt braucht gar nicht erst zu lesen.
„Ohne das Wort würde es keine Bücher geben.“ Der anschließende Text bestätigt alle Vorurteile, die man von Klagenfurt haben kann. Selbstbezügliches Geschwurbel, leblose Künstlichkeit, Metaebenen mit der Bohrmaschine in Butterkäse geschraubt, ein Emmentaler wird trotzdem nicht draus, übrig bleibt nur ein löchriger Textkäse.
Einen guten Satz gab es allerdings, auch wenn ich diese Meinung mit Frau Radisch teilen muss:
Ich komm aus der Kleinstadt, Paul, wir vögeln unsere Pinguine noch selbst, dafür muß ich keine Filme sehen.

Die Jury hat den Text dann auch höflich begraben.

10 Uhr
Christian Bernhardt
Es wird besser. Der Text gefällt mir, kein Wunder, denn er erinnert mich manchmal etwas an „Mitsu“,wenn z. B. im Baumarkt die Werkzeuge in Gut und Böse aufgeteilt werden. Die Überlegung, asiatisch zu kochen, taucht auch auf. Daneben gibt es viel Busen, viele Küsse, schöne „was wäre wenn“-Gedanken. Kritik: das Absurde funktioniert nicht richtig, für mich kommen Form und Inhalt nicht ganz zusammen, der Charakter wird nicht lebendig, das „Ich“ stimmt nicht. Etwas nervös vorgetragen, was die Sache aber nicht unsympathischer macht.

Die Kritiker waren geteilter Meinung, bemängelt wurde vor allem das mangelnde Tempo.

11 Uhr
Jochen Schmidt
Jochen Schmidt versprüht seinen etwas naiven, knuddeligen Charme üblicherweise auf Berliner Lesebühnen. Seine Lesungen machen Spaß.
Nun also Klagenfurt. Er beginnt äußerst angespannt, die sonstige Lockerheit fehlt völlig, was auch den Text angestrengt wirken lässt. Mein Eindruck: er hat versucht, Passig in den Weltraum zu verlegen. Das klappt nicht.
Beispiele für eine bessere, aber immer noch lauwarme Stelle:
Viele seiner nomadisierenden Kollegen rasierten sich vor der Abfahrt ein Bein, man habe dann das Gefühl, neben einer Frau zu liegen, was der Einsamkeit langer Nächte in Hotels die Spitze nimmt.

Es bleibt eine bemühte Klagenfurtgeschichte. Schade. Ich schlage Jochen Schmidt trotzdem für den Wilbur-Preis für das beste sprechende Pferd vor.

Die Jury war fast völlig begeistert, auch wenn die Ähnlichkeit zu Passig bemerkt wurde. Nun, und die Vokabel Charme tauchte natürlich auch noch auf.

12 Uhr
Andrea Grill
Zu dem Text möchte ich eigentlich nichts sagen. Die Vokabel „artifiziell“ fällt mir ein, ich werde ständig „hinausgeschmissen“, wie z. B. bei diesem Satz:
Die Freundin meiner Mutter ist eine stille Puppe mit lebhaftem Blick. Nein, keine Puppe, eine Elfe ist sie.
Einfach nicht mein Fall.

Nun, die Jury hat das gleiche Problem wie ich und quält sich.

Die Pause ist vorbei, es geht weiter.

15 Uhr
Jörg Albrecht
Stakkato. Eine Art junger Woody Allen (äußerlich) mixt und mischt. Literatur als Musikvideo mit mindestens 160 bpm, teilweise arbeitet Albrecht mit Sprachverfremdungen, kurzen Geräuschcollagen usw. Lässt sich, ohne den Text gelesen zu haben, nicht beurteilen. Auf die Diskussion bin ich gespannt.

Nach der Diskussion hat man den Eindruck, dass man den Text auch kaum beurteilen kann, wenn man ihn (mehrfach) gelesen hat.

16 Uhr
Fridolin Schley
Der Name des Protagonisten, Brand, erinnert mich an „Brand´s Heide“. Die Sprache ist behäbig, etwas altmodisch:
Schon immer habe er Strände gewissermaßen als Zauberorte empfunden, so groß sei das Gefühl der Entspannung, ja der gänzlichen Befreiung von aller Last, sobald er die ersten Schritte barfuß durch den von der Sonne erhitzten oder von einer verebbten Flut geglätteten und vom trocknenden Salz verkrusteten Sand mache, dabei sacht absinke, auf angenehme Weise mühevoll nur vorwärtskomme.
Vielleicht nach dem Buzzwordgewitter des vorherigen Vortragenden etwas unglücklich, aber mit diesem Text hier kann ich so rein gar nichts anfangen. Auf mich wirkt diese Literatur so tot wie ein Nudelholz.

Die Meinungen gehen auseinander. Der Bezug zu „Rolf Dieter Brinkmann“ wird hergestellt, der zentrale Konflikt bleibt: manche finden tote Texte toll, andere weniger.

17 Uhr
Lutz Seiler
Wie man eine langsame Sprache einsetzen kann, aus der heraus Bilder entstehen, zeigt diese Geschichte. Kein Klagenfurttext, sondern ein sehr viel versprechender Ausschnitt aus einem Roman. Für mich sprachlich der beste Text des heutigen Tages, ein versöhnlicher Abschluss.

Die illustre Kritikerrunde hebt ebenfalls die stilistische Brillanz hervor. Fein.

Damit schließt der erste Tag.
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Der Bachmann-Bewerb



Der alljährliche Bachmann-Bewerb wirft wieder seine langen Wortschatten aus.
Seit ca. 100 gefühlten Jahren verfolge ich diesen Wettbewerb regelmäßig (Mr. Karasek war noch dabei), was nach Abschaffung meines Fernsehers auch über Internet möglich war und ist.
Der Nachteil: man muss auf die 3sat-Gespräche zwischen den Lesungen verzichten. Der Vorteil: wenn das Fernsehen ausblendet bleibt man „dran“ und bekommt die Diskussionen vollständig mit.
Und hier ist der Link.

Im Augenblick läuft die Eröffnung, ab dem morgigen Donnerstag um 9 Uhr die einzelnen Lesungen mit anschließenden Diskussionen. Liveblogging wird, allein zeitlich, nicht klappen; einige Eindrücke wird es schon geben, so lange mir der Himmel nicht wieder auf den Kopf fällt (wie so oft in letzter Zeit).

Mehr aus dem Nudelsuppen-Studio also in Kürze.

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Nach der Lesung ...

... ist vor der Lesung. In der ehrwürdigen Südstadtbibliothek in Hannover (Krausenstr. 10) präsentiert sich am Donnerstag den 14.6.2007 ab 19 Uhr die gesamte „Gruppe Poesie“ mit 7-Minuten-Lesungen. Es sind fast alle Autoren präsent, besonders freue ich mich aber auf die Mitstreiter von der Theaterbühne 2005.

Die Südstadtbibliothek ist so etwas wie mein „Lesewohnzimmer“ in Hannover, wie oft ich dort inzwischen aufgetreten bin kann ich nicht mehr zählen. Liebevoll gestaltet waren alle Lesungen, und auch dieser Donnerstag wird keine Ausnahme sein. Wer also zufällig Zeit und Lust hat ist herzlich eingeladen, der Eintritt ist kostenlos. Das Thema lautet: „Welt, die außen zerfällt, wenn wir sie innen nicht mehr spüren“.
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Leseratten in Hameln

Donnerstag, der 7.6.2007, 6 Uhr morgens.
Der Wecker klingelte. Ich schaute ihn ungläubig an. Egal, 4 Stunden Schlaf mussten reichen, Ich hüpfte aus dem Bett, packte meine Manuskripte nebst ca. 400kg Gepäck ein und erwischte die U7 Richtung Spandau. Von dort mit dem IC nach Hannover. Viel Zeit, um noch mal die Lesung durchzugehen. Ich dachte mir sogar einen Brüller für die Einführung aus, aber dazu später. Inzwischen war es halb elf, ich wuchtete mein Gepäck in eins der Cafes am Bahnhof und trank eine selbsgemachte Birnenlimonade mit vielen Birnenstücke, die im Strohhalm stecken blieben. Es war heiß, gefühlte 50 Grad im Schatten. Wenig später traf ich meinen Verleger, Christian Arzberger, eine Zigarettenlänge später tauchten Mutter und Tochter auf, um uns sicher nach Hameln zu transportieren. Im unklimatisierten Auto stieg die Temperatur nun auf gefühlte 75 Grad.

Hameln. Kein Stau, ein leerer Parkplatz, 10 Minuten Fußweg und wir waren am Ort des Geschehens, der Erlebniswelt Renaissance. Im fast gästebefreiten Café sollte die Lesung stattfinden. Kurze Diskussionen, ob draußen oder drinnen, die Lesung sollte dann doch draußen sein und ein Techniker dafür die benötigte Anlage mitbringen. Der Techniker war wohl da, aber gleich wieder weg – mitsamt der Anlage. Ich machte kurz einen Konkurrenzgang zu Sebastian Fitzek, der in der Sparkasse um die Ecke zeitgleich mit mir lesen sollte. Der Knut unter den Autoren war auch da und sah fröhlich aus. Die ersten Fans sammelten sich auch schon.

Mutter und Tochter verteilten Mitsu-Postkarten in der Fußgängerzone, um vielleicht doch noch den ein oder anderen Kaufrauschenden zu einigen Minuten Literatur zu überreden. Inzwischen baute mein Verleger draußen einen Büchertisch auf, ich verschwand auf der Toilette. Das Wasser verdampfte bevor es die überhitzte Haut erreichen konnte. Als ich zurückkehrte große Aufregung, der Innenraum war voll: insgesamt knapp 30 junge Menschen tummelten sich dort, ich setzte mich auf den Hocker, kämpfte mit Mikrofon und Buch und freute mich wie ein Schnitzel über die zahlreichen Mitsu-Fans. Wer denn das Buch schon kenne, fragte ich. Niemand. Ich brachte meinen vorbereiteten Brüller: „Dass ich mich freue, im Renaissance-Haus zu lesen, aber inzwischen eher im Barock angekommen wäre.“
Keine Reaktion. Ich begann mit dem Text „Sushi“, danach folgten einzelne, zusammengewürfelte Auszüge aus Mitsu. Bei Hana und dem Inhalt der Kühltasche gab es erste Reaktionen, verhaltenes Lachen. Mir war heiß und ich war noch immer unsicher, ob meine Texte ankommen. Nach ca. 25 Minuten beendete ich Mitsu und las eine Kolumne aus Lovebits. „Gelbe Tage“. Es lief etwas besser. In der Kolumne geht es unter anderem um Männer mit Hornbrille, von denen ich ständig angesprochen werde, und ein Mann im Publikum ließ seine Hornbrille dezent verschwinden. Als ich fertig war fragte ich, ob es Fragen gäbe, Anmerkungen, Kritik – keine Reaktion. Ich erklärte, dass es auch eine blöde Idee sei, Autoren reden zu lassen. Wenn sie gut reden könnten würden sie nicht schreiben. Ein blondes Mädchen kicherte. Ich würde dann einfach weiter vorlesen, schlug ich vor. Keine Reaktion. Ich wertete das als Zustimmung und schloss die Lesung mit „Geko“ ab.
Die ganze Wahrheit erfuhr ich danach: meine Tochter hatte eine Schulklasse auf der Straße aufgegabelt, und der peinlich berührte Mensch mit Hornbrille war der Lehrer.

Bis zur nächsten Lesung hatte ich eine halbe Stunde Zeit, ich schlenderte die paar Meter zum Museumscafe hinüber, wo Silke Porath nicht nur von mir erwartet wurde. Es dauerte auch nicht lange, bis sie auftauchte, kurze, aber umso herzlichere Begrüßung. Da ihre Lesung gleich beginnen sollte und mein zweiter Einsatz ebenfalls kurz bevorstand schlich ich mich wieder zurück. Ich erfuhr, dass die Geschichte mit dem Techniker sich wiederholt hatte, Marcus von der Erlebniswelt improvisierte, stellte Boxen ins Fenster und drückte mir das Mikrofon in die Hand. Inzwischen waren Daniel Biester vom Literaturreport, Steffie, Sarah und Bianca eingetroffen. Daniel hielt eine mitreißende Einführungsrede, ich stellte mich zwischen die Tische, verzichtete auf meinen Brüller und legte gleich mit „Sushi“ los. Die ersten Gäste ergriffen die Flucht. Dafür gab es nach jeder Szene Applaus von den drei Schönen und einem Pulk reizender, junggebliebener Menschen. Zwischendurch läuteten Glocken, die Hitze nahm zu. Nun waren es bereits gefühlte 90 Grad im Schatten. Nach einer kleinen Pause gab es zum Abschluss wieder die zwei Kolumnen, ich entschuldigte mich, inzwischen etwas schlauer geworden, präventiv bei allen Menschen mit Hornbrille und karierten Hüten. Dieses mal blieben alle, es wurden sogar Bücher verkauft, und ich versuchte wieder, als Signatur Katzen zu zeichnen. Das Tier wurde wahlweise als Hund oder Eule identifiziert, auf „Katze“ kam überhaupt niemand.

Inzwischen waren auch Silke Porath und Gatte anwesend, die verzweifelt versuchten, Essen zu bestellen. Manche Gerichte gab es noch nicht, bei anderen stellte sich heraus, dass es keine Tomaten gab, die dann aber doch auftauchten. Etwas später stellten mein Verleger und ich fest, dass wir ebenfalls feste Nahrung benötigen könnten. Ich bestellte die Pizza mit Rucola ohne Rucola, ohne Rucola klappte, nur leider war der Parmesan aus. War er dann aber doch nicht. Ein guter Freund von mir tauchte auf, der die Lesezeiten irgendwie durcheinanderbekommen hatte, bestellte sich ebenfalls eine Pizza Rucola ohne Rucola und mit Parmesan, die tatsächlich irgendwann den Ort der hungrigen Mägen erreichte. Inzwischen war es spät geworden, wir setzten uns in Bewegung, um wenigstens die letzte Lesung des Tages nicht zu verpassen, Silke Porath im Kino. Wir stellten fest, dass Hameln doch nicht so klein ist wie wir dachten.
Um es kurz zu machen: Silke Porath las großartig, vor allem der Ausschnitt aus „Der Bär auf meinem Bauch“ hat mir wieder klar gemacht, warum ich das Buch so schätze.

Inzwischen war es 19 Uhr, das gemeinsame Treffen in den Saunaräumen um die Ecke konnte losgehen. Ich hatte das Glück, die drei supersympathischen Autoren Corinna Luedtke, Monika Detering und Luigi Brogna kennen zu lernen, die drei Schönen waren auch wieder da, und selbst der drohende Hitzetod konnte uns nicht aufhalten. Der allgemeine Wunsch: nächstes Jahr wieder, aber vielleicht doch lieber im Herbst und an einem Wochenende anstatt an einem rummeligen Verkaufstag.
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Wollt ihr die totale Überwachung?

Offensichtlich ja. Die Umfragewerte der CDU steigen, das Argument des „unbescholtenen“ Bürgers, dass er/sie ja nichts zu verbergen habe und zu dem stehe, was er oder sie sagt, ersetzt das Gefühl, was Freiheit und Demokratie bedeutet. Vielleicht muss man im Augenblick bei dem, was Teile der Politik veranstalten, von einem demokratisch legitimierten Terrorismus sprechen. Im Sinne der Bekämpfung einer zumindest in Deutschland potenziellen Terrorgefahr wird ein Volk in Sippenhaft genommen, Rechte beschnitten, das Postgeheimnis ausgehebelt, mittels Grundgesetzänderung um zusätzliche Überwachungsmöglichkeiten zu ermöglichen nicht nur nachgedacht. Ende 2005 sprach der CCC in einem vielbeachteten Vortrag davon, dass der Kampf der Hacker gegen die Überwachung schon verloren sei.

Es ist nicht so sehr die „böse Politik“, die hier das Problem darstellt. Sondern die „braven“ Bürger, die Mitläufer, welche aus Angst vor einer als unsicher empfundenen Freiheit der Überwachung und Einengung der Grundrechte nicht nur nichts entgegensetzen, sondern sie sogar unterstützen. Das bedeutet, dass der Widerstand weiter radikalisiert wird. Ein gutes Beispiel ist ausgerechnet die Show von Endemol um Organspende. Ohne diesen groben Klotz hätte die Diskussion um Organspende nie diese breite Öffentlichkeit erreicht, ohne den „braven“ moralischen Sektor zu verlassen ist Wirkung kaum mehr möglich.

Es wird Zeit, dass die Diskussion um Überwachung und Freiheit von den Medien nicht nur als Fußnote aufgegriffen, sondern umfassend thematisiert wird. Dass sich Kulturschaffende aktiv in die Diskussion begeben, Stellung beziehen, laut werden. Die Parameter sind gesetzt, von der Politik wird der Boden für eine neue Form der RAF bereitet (gegen die man mit neuen Gesetzen dann kämpfen kann), ob sie sich nun aus ultrarechten oder ultralinken Kreisen speisen wird. Und das kann nun tatsächlich niemand wollen. Die Ausschreitungen in Rostock zeigen, dass die Radikalisierung auch auf der gegenübergesetzten Seite von Schäuble begonnen hat.

Links zum Thema:

Merkel Überwachung (youtube)

Datenschützer warnt vor Duckmäusergesellschaft (heise)

Schäuble fordert Grundgesetzänderung

Polizeigewerkschaft kritisiert US-Sicherheitsvorgaben
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Apple, DRM und die schöne neue Musikwelt



Der Schritt war schon seit einiger Zeit angekündigt worden, ein Tag Ende Mai sollte als DRM-Free-Day in die Geschichte eingehen. Heute, am 30.5.2007, ist es so weit. Apple und EMI bieten im iTunes-Store Songs an, die nicht mehr mit DRM (Digital Rights Management) den Kunden gängeln. Zusätzlich hat Apple die Qualität deutlich erhöht – sie dürfte nur noch von Musikesoterikern von CD unterscheidbar sein. Das alles hat einen Aufpreis: statt 99 Cent zahlt man nun 1,29 Euro pro Song, die Albenpreise bleiben wie bisher.
Bisherige Käufer können zum Differenzpreis updaten, bei Alben verlangt Apple einen Aufschlag von 30 Prozent des aktuellen Preises, für Musikvideos generell 60 Cent.

Ändert sich damit die Musikindustrie? Kaum. Die dramatischere Entwicklung dürfte Apple selbst betreffen, denn die iPod-Konkurrenten können neben MP3 oft auch AAC abspielen – lediglich durch das DRM wurden die Musikstücke an den iPod gebunden. Das ist zumindest ein bisschen vorbei, womit sich auch einige anhängige Klagen gegen Apple in Luft auflösen sollten; selbst wenn keine anderen Musikkonzerne EMI folgen sollten, Apple hätte den Beweis erbracht, dass sie unschuldig sind, wenn der iStore-Kunde keine freie MP3-Playerauswahl hat. Das dürfte auch der Hintergrund sein, warum Jobs so vehement gegen DRM wetterte. Denn eine vollständige Öffnung der iTunes-Musik für alle Player würde dem iPod ganz sicher Marktanteile kosten. So bleibt ein Kompromiss; der iTunes-Kunde wird auch weiter zum iPod greifen müssen, wenn er seine gesamte gekaufte Musikbibliothek unterwegs hören möchte.

Aber bei allen taktischen und strategischen Überlegungen: es hat sich in der Welt der Musikindustrie heute einiges zu Gunsten des Konsumenten bewegt. Und das ist selten genug.
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Leserunde und Hörbuchrunde

Eine neue Mitsu-Leserunde ist im Forum der Leseratten ab Mitte Juni geplant. Wer diese Form des gemeinsamen Lesens schätzt wird hier fündig. Eine kleine Überraschung, wie bei allen anderen Leserunden, wird es auch hier für die Teilnehmer geben. Auch wenn sich die Überraschung manchmal etwas verzögert *hust*.

Wer nicht lesen will muss hören: bei den Büchereulen findet ab dem 15. Juni die erste „Lovebits“-Hörbuchrunde statt. Unter allen Teilnehmern werden fünf Exemplare des Hörbuchs verlost. Auch diese Runde werde ich als Autor begleiten und mich den (hoffentlich) kritischen Fragen stellen.


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Lovebits zu gewinnen

Es wird wieder mal Zeit für ein kleines Gewinnspiel – mit einem kleinen Rätsel:

Ein Vogel ruft um Mitternacht
Halb Acht, Halb Acht.
Verschoben wars, es wurde
Acht Halb, zum Schluss ein Alb.

Gebe dir eine Schüssel mit REIS
einen OBER dazu
als GAST
einen GREIS


Welcher Vogel war es?

Wer als erstes in den Kommentaren die Lösung mit richtigem Lösungsweg aufdeckt, gewinnt ein nagelneues Lovebits-Hörbuch.

[Update]
Das Rätsel scheint schwieriger zu knacken zu sein, als ich dachte, deshalb ein kleiner Tipp: Die Lösung liegt in den vier groß geschriebenen Wörtern, und es ist tatsächlich eine Vogelart. Übrigens zählt nur die Lösung, die in den Kommentaren veröffentlicht wird, bitte keine als Mail schicken!

[Update 2]
Die Lösung wurde gefunden – gestern Nacht von JASS, inkl. richtigem Lösungsweg.

Der Schlüssel liegt in den Wörtern in Großbuchstaben; Halb Acht bzw. Acht Halb = vier; die Lösung hat also vier Buchstaben.

1. Schritt
Aus Halb Acht wurde Acht Halb; also die Reihenfolge der Wörter umkehren:

REIS
OBER
GAST
GREIS

wird zu

GREIS
GAST
OBER
REIS

2. Schritt
Aus Halb wurde Alb, also den ersten Buchstaben streichen:

GREIS = REIS
GAST = AST
OBER = BER
REIS = EIS

3. Schritt
Von oben nach unten lesen :-)

R eis
A st
B er
E is

Die Lösung ist also RABE.

Herzlichen Glückwunsch, JASS!
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Arbeitsjournal 1. Tag

In unregelmäßiger Folge stelle ich hier mein „Arbeitsjournal“ ein: die letzte große Überarbeitung (es bleiben noch genug Kleinigkeiten zu tun) am Manuskript „Im Schatten des Flügelschlags“. Datum: 12.3.2007

Die letzte Woche war nicht einfach. Ich musste aus familiären Gründen kurzfristig nach Hannover. Geplant war ein langes Wochenende, daraus wurde eine (lange) Woche. Danach zurück nach Berlin, mit einem kurzen Stopp in Bad Seegeberg bei SinTakt. Von meiner Berliner Wohnung aus ging es dann auf die nächste Reise, dieses Mal etwas kürzer: nach Schöneiche bei Berlin, Schreibzeit im Haus TonART. Seit Monaten überarbeite ich kontinuierlich das Manuskript. Die jahrelangelange Reise soll bis Ende März zu einem Ende finden. Auch das ein Abschied. Vielleicht ist es für mich das Schwierigste am Schreiben. Ein Manuskript loszulassen.

Es ist Montag Abend. Berlin durchqueren, erst mit der S-Bahn bis Friedrichshagen, von dort geht es in der Tram 88 weiter. Eine besondere Linie, die einzige schmalspurige Überlandstraßenbahn. Ich las das Buch „Berlin ist mein Paris“ von Carmen-Francesca Banciu, das ich versehentlich mit dem Rucksack zusammen gewaschen hatte. Es hatte sich vor über einem Jahr dort versteckt, ich glaubte es schon verloren. So sah es nach dem Waschgang aus, eine Wasserleiche, auf den doppelten Umfang aufgebläht. Um es wiederzubeleben steckte ich das Buch für eine halbe Stunde in den Backofen. Ich hole ein dampfendes Buch heraus, beschwere es mit anderen Büchern und lasse es liegen. So ganz hat der Rettungsversuch nicht funktioniert, man sieht dem Buch die Tortur an, aber wenigstens kleben die Seiten nicht mehr zusammen, und die Signatur der Autorin ist noch erkennbar.
Ich suche nach einer Geschichte, die mit meinem Berlin und meinem Paris zu tun hat. Das Schreiben in Cafés, ja, aber damit endet die Gemeinsamkeit. Ihr Berlin ist ein anderes Berlin und ihr Paris ein anderes Paris. Die kurzen Stücke sagen mir nicht viel, erzählen nicht, es ist ein trauriges Buch mit einem traurigen Schicksal. Ich stecke es wieder in die Tasche, schaue aus dem Fenster der Tram. Die Nacht wirkt undurchdringlich, ein schwarzer, blinder Spiegel. Als wir uns der Station nähern habe ich wieder das Gefühl, nicht aussteigen zu wollen, einfach weiterzufahren, eine ewige Reise im Herz der Schatten.

Es ist Montag, Ruhetag. Auch das Haus TonART liegt im Schatten. Mein Zimmer ist fertig, das „Ostzimmer“. Ein einfacher, schöner Raum mit riesigem Bad. Das wird also, im besten Fall, der Ort sein, an dem der Flügelschlag sein Ziel findet. Ich zweifle. Das Manuskript hat noch eine Fehlstelle, ein entscheidender Puzzlestein fehlt, der die vielen kleinen Stücke zu einem ganzen Bild zusammenfügt. Dieser Stein fehlt schon seit zwei Jahren. Ich überarbeite das Manuskript nicht mehr chronologisch, sondern kreuz und quer. Ich fange irgendwo an, bessere aus, kürze und schreibe neu. Jedes Stück ist wichtig. Es wird kein großer Roman, kein charmantes Büchlein wie „Mitsu“, es ist in Form gegossene Verzweiflung. Es wäre einfacher, ein neues Buch zu schreiben, aber dieses muss raus, ich darf nicht auch noch die nächste Station verpassen, sondern muss aussteigen.

Es ist nach zehn. Winne macht mir einige Stullen und bringt mir eine Flasche Apfelsaft. Es wird nicht spät. Der Ort beginnt zu wirken, und jede Minute nimmt etwas weg von den Schatten, die auf mir liegen.
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Suchbegriff des Monats

Die Wege des Internets sind unergründlich.

Immer wieder erstaunen mich die Suchbegriffe, über welche diese hier Webseite gefunden wird. Das „Fundstück des Monats“ wird an dieser Stelle nun regelmäßig niedergeschrieben und für die Nachwelt festgehalten; mit einer großen Entschuldigung, denn das Objekt der gesuchten Begierde wurde hier garantiert nicht gefunden. Außer vielleicht im Februar: „Manuskript Katastrophe“ (siehe auch hier). Ganz so negativ geht es zum Glück nicht weiter:

Highlight im Mai: „weil ich gabeln sehen möchte“
Highlight im April: „Pornodarstellerin aus Essen Sekretärin“

Erstaunlich.
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Die Entstehung eines Hörbuchverlages

Längere Pausen gab es in diesem Blog schon häufiger. Diese Pause war besonders lang, und sie hatte ausnahmsweise nicht nur einen guten, sondern auch einen glücklichen Grund.

Ende letzten Jahres wurde ich darauf angesprochen, ob ich einen neuen Hörbuchverlag mit aufbauen möchte. Ursprünglich ging es lediglich darum, Texte beizusteuern. Das Ergebnis ist „Lovebits“. Danach haben sich dann die Aufgabengebiete ständig erweitert, von Redaktion bis zum Internetauftritt.

Morgen ist dann der große Tag. Die Seite „SinTakt“ geht offiziell online, und morgen wird auch „mein“ Hörbuch endlich aufgenommen. Eingesprochen wird es von Andras Untermann, der in Hannover vor knapp einem Jahr mit seinen großartigen Mitsu-Songs Premiere feierte. Aber besonders freut mich, dass einige von mir bewunderte Kollegen dort veröffentlicht werden. So geht SinTakt hoffentlich über „noch ein Hörbuchverlag“ hinaus und bereichert die Literaturlandschaft.

Ich bedanke mich besonders bei Chris Krohne, der mir diese Chance gab und gibt, Andras Untermann, Silke Porath, Steff Fehrle, Udo Sprengel, Karin Fischer, Inge Lütt und vielen anderen für Rat, Tat und Unterstützung. Und ich bedanke mich mit einer riesigen Entschuldigung auch bei allen, die mein langes Schweigen/Untertauchen wie auch meine temporäre Gereiztheit nicht persönlich genommen haben!

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Prosa und Poesie

Die Prosa ist dazu da, die Wunden zu heilen, welche die Poesie aufgerissen hat.
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Sonne, Mond und Sterne

Marie stand vor dem Riesenrad und schaute hinauf. Lichter, die angezündet waren, ein Fest zu feiern. Hinter den Brücken, hinter den Wassern, ihre Augen nussfarben und ihr Gesicht wie das Bild in einer Camera Obscura. Sie schaute den fleckigen Männern zu, die den Schwestern auf der Bühne zujubelten, der Nacktheit, die sich Stück für Stück zeigte.

Marie dagegen saß am Tag im Brunnen, einen Spiegel in der Hand, und der Brunnen war nur ein Kübel aus altem Holz, sie erzählte das Märchen von der Liebe unter Sonne, Mond und Sternen, der Unschuld nackt im Brunnen, der nur ein Bottich war, verwandelt von ihr, der Jungfrau, ein Versprechen zukünftiger Liebesnächte..
Das Riesenrad drehte sich, rot, grün und blau mit Lichtern bestickt, die Liebenden küssten sich schwerelos und die Scheuen flochten ihre Hände zu Kränzen.
Jean-Paul, der Clown, stand neben Marie und schaute mit hinauf.
„Das Fest hat begonnen“, sagte er.
„Du riechst“, sagte Marie.
„Ja?“
„Nach Mann.“
Er lachte. Marie sah ihn an, nussäuigig, eine fleckige Leinwand, auf die eine Kamera Träume warf.
Jean-Paul hörte auf zu lachen, nahm ihren Kopf in beide Hände und versuchte sie zu küssen.
„Nicht“, sagte Marie, „du raubst mich“, und gab nach.

Das Rad drehte sich, die Affen tanzten und Paulette und Germaine, nach ihrem Tanz von einem glitzernden Film aus Schweiß überglänzt, saßen im Wagen, schminkten sich ab.
„Ich werde berühmt, eines Tages, beim Film“, sagte Paulette.
„Wir werden beide berühmt“, antwortete Germaine.
Paulette verzog ihre halb abgeschmickten Lippen, im Spiegel sah sie ein verzerrtes Wesen.
„Ich brauche mehr Licht“, sagte sie, stand auf, ihr weißes Federröckchen schäumte. Germain betrachtete sie, erhob sich ebenfalls, nahm Paulettes Hände und hielt sie fest.
„Was willst du?“ fragte Paulette.
„Was ist mit Jean Paul?“
„Was soll mit ihm sein?“
„Du hast es mit ihm getan“, sagte Germaine.
„Und wenn?“
„Er gehört mir.“
„Er ist mit Marie zusammen“, sagte Paulette.
„Du lügst.“

Das Riesenrad drehte sich, nun erloschen, weiter durch die Masse der Nacht. Zwei Betrunkene am Schießstand versuchten noch, Zinnenten zu treffen, aus der Ferne hörte man den dreibeinigen Hund heulen, der den Verlust das Mondes beklagte. Der Morgen sickerte rot in die Nacht, zog Schlieren, Germaine saß in ihrem Wagen und legte sich die Karten. In der Mitte aufgedeckt „Das Rad des Schicksals.“.
Endlich begannen die jungen Männer, die Zelte abzubauen, Stangen und Stoff zu verstauen. Paulette saß auf den Stufen ihres Wagens, rauchte, sah, wie weit, ganz weit weg das Riesenrad endlich stoppte und dahinter die Sonne den Horizont in Flammen setzte.
„Jean Paul, der Clown“, flüsterte sie, als sie ihn auf den Stufen von Maries Wagen sah. Er stand auf, kam zu ihr herüber und gab ihr einen Kuss.
„Und wen habe ich heute geküsst? Paulette oder Germaine?“ fragte er.
„Ist das nicht egal?“
Er nickte. Paulette schnippte die Zigarette weg und leckte sich über die Lippen.

Text für den Schreibwettbewerb der Büchereulen, Februar 2007, Thema „Zwillinge“.
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Bücher, Lesen, Leben


Haus Tonart im Spätsommer 2005

Die Blogpause ist zu Ende. Die letzten Wochen waren schwierig, gefüllt mit Leipziger Allerlei, viel Arbeit und einer kleinen, notwendig gewordenen Auszeit, die dann doch etwa länger wurde als erwartet.

Ein riesiges Dankeschön geht an Erika und Winne. Ihrem Haus TonART, in dem ich etwas mehr als eine Woche lang unterschlüpfen konnte, werde ich noch einen eigenen Artikel widmen. In dieser Oase bei Berlin bekam mein Manuskript endlich Gestalt, der „Flügelschlag“ wird langsam aber sicher rund (und bekommt einen neuen Titel). Ein Kraftakt, der nur mit Unterstützung von Freunden und Bekannten möglich war und ist.

Die Leipziger Buchmesse war dieses Jahr überraschend schön. Viele Gespräche, viele Begegnungen, insgesamt Aufbruchstimmung und eine entspannte Atmosphäre – zumindest bei den befreundeten Verlegern und Verlagen. Besonders hinweisen möchte ich auf die Literaturzeitschrift sprachgebunden, die zum Besten gehört, was auf dem „jungen“ Literaturmarkt erhältlich ist. Überhaupt haben mich die kleineren Verlage begeistert. Auch etwas sperrigere, unkonventionelle Literatur findet einen Platz in sorgfältig herausgegebenen Büchern, wie z. B. bei kookbooks, Tisch 7 & vielen weiteren jungen Verlagen. Mein Eindruck verstärkt sich, dass deutsche Autoren sehr viel offener empfangen und auch publiziert werden.

Zum Schluss möchte ich auf eine Lesung hinweisen, deren Termin inzwischen bestätigt ist.

Am 7. Juni findet in Hameln der 1. Tag der Leseratten statt. Neben einer Buchtauschbörse, Buchflohmarkt und Workshops wird es den ganzen Tag verteilt Lesungen an teils ungewöhnlichen Orten in der Rattenfängerstadt geben.
Bestätigt sind bisher:
Silke Porath (Gottes Weber)
Sebastian Fitzek (Amokspiel)
Corinna Luedtke (Die Nächte mit Paul oder der Tag ist anderswo)
Luigi Brogna (Spätzle al dente)
Monika Detering (Herzfrauen)
Marcel Magis (Mein Leben mit Mitsu) und
Hellmuth Karasek (Auf der Flucht)

Meine Lesungen finden um 14 Uhr und 15.30 Uhr in der Erlebniswelt Renaissance (Hochzeitshaus, Osterstraße) statt.
Silke Porath wird um 15 Uhr im Museumscafé Osterstraße und um 18 Uhr im Kino Maxx am Bahnhof zu erleben ein.
Der Eintritt ist generell kostenlos, nur bei Karasek sind 11 € fällig.
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In Erinnerung

Karen Reichl – geboren am 7. November 1915, gestorben am 3. März 2007.
Noch ein letztes Mal deine Hand zu halten, in deine Augen zu sehen, zu erinnern. Es gab nicht mehr viel zu sagen, ein anderes Verstehen war da, wortlos.
Oma, ich hab dich lieb. Auf Wiedersehen.
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Interview mit Nudelsuppe

Die Rolle des Interviewten ist für mich noch relativ ungewohnt und neu – wenn man ganz frühe Erlebnisse in Hannover vergisst (ich fühle mich gerade ziemlich alt). Nach dem Gewinn des Preises 1984 des Hannoverschen Künstlervereins, ich war noch jung und hübsch und brauchte das Geld (1.000,– DM!), folgte ein ziemlich peinlicher Artikel in der Neuen Presse, danach ein seltsames Radiointerview im NDR Funkhaus (was war ich stolz, ich bekam sogar schulfrei), und danach ein denkwürdiges Interview mit dem Göttinger Bibliotheksverein (gibt es den heute noch?).
Sie kamen zu zweit, einer baute Mikrofon und Tonband auf, der andere fotografierte. Letzterer stellte nach ca. 120 Aufnahmen, bei denen er wir ein Känguru durch das Café hüpfte, am Ende des Interview fest, dass er vergessen hatte, den Objektivschutz seiner Kamera zu entfernen. Das Ergebnis der dreistündigen Session war kein Foto, dafür ein wortgenau transkribiertes Interview mit sämtlichen Ahs, Ähs und Ohs, das als Einladung für eine Lesung in der niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover warb. Um es kurz zu machen: es kamen vier Leute, einer vom Bibliotheksverein, zwei Bekannte und einer von der Presse, der eigentlich Musikredakteur war und zwangsweise auf die Lesung geschickt wurde. Der machte ebenfalls ein kurzes Interview mit mir und brachte den damals ersten richtig guten Artikel über mich in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Nun gut, ich schweife ab. Denn eigentlich wollte ich nur darauf hinweisen, dass es auf den Seiten von Literaturreport ein brandneues Interview mit mir gibt, das Daniel Biester geführt hat. Aber bitte lest selbst.
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Gemeinheiten der Google-Suche

Ab und zu wird meine Seite über Google gefunden. Während einige Suchbegriffe erstaunlich, kurios oder anderweitig wenig mit dieser Seite zu tun haben, gab es letztlich eine – kleine – Gemeinheit. Der Suchbegriff hieß: „Manuskript Katastrophe“.
Oh je. Entweder war jemand verzweifelt und empfand das eigene Manuskript als Katastrophe – oder suchte zur Belustigung ein katastrophales Manuskript. Auch dieses Geheimnis wird wahrscheinlich nie aufgeklärt werden. Aber es erinnert mich daran, dass man nie leichtfertig mit Begriffen umgehen sollte. Ein unbedacht getipptes „Sex“ könnte sonst zu frustrierten Besuchern führen, und das wäre gar nicht im Sinne des Autors.
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Von traurigen und anderen Büchern

Es gibt Bücher, die sehen verlassen aus. Einige davon stehen in Bücherregalen, neben anderen Büchern, und werden von den vertrauten Buchrücken getröstet. Manche werden aber aus ihrer Umgebung herausgerissen und landen zum Beispiel als Spende bei Oxfam.

Die äußerst traurigen Bücher in Antiquariaten und Ramschkisten erkennt man daran, dass sie signiert sind oder eine Widmung tragen und der Besitzer sie trotzdem weggab. Heute fand ich zwei dieser Exemplare.
Eines war vom Autor signiert. Herzlich, schwungvoll. Der Schrift war anzusehen, dass der Verfasser stolz auf sein Werk war. Aber warum wurde das Buch weggegeben? War es ein unwillkommenes Geschenk, hatte sich der Beschenkte mit dem Autor überworfen? Was auch immer der Grund war, dass dieses Buch hier im Regal stand – es konnte kein glücklicher Grund sein.

Das zweite Buch war der Roman eines amerikanischen Schriftstellers. Es geht darin um Liebe, Sex und Leidenschaft, und noch flammender als das Buch sein könnte, war die Widmung vom 24.12.2005. Von der Schwester für ihren Bruder. Mir schien die Widmung weit mehr Wert zu sein als die Geschichte, die das Werk erzählen konnte. Verbarg sich hinter den Worten der Schwester eine heimliche, verbotene Liebe? Aber dann hätte der Bruder es nicht abgegeben, oder vorher die Seite herausgerissen. Aber wer gibt überhaupt ein Buch ab, das eine solch persönliche, liebende Widmung enthält?

Ich zögerte, ob ich die Bücher nicht befreien sollte. Vielleicht würden sie weniger traurig sein, wenn ich eine Geschichte über sie schriebe?
Letztlich hatte ich nur Geld für ein Buch, ich wählte „Die Tochter des Schmiedes“ von Selim Özdogan aus, das schon lange auf meiner Wunschliste stand. Es kostete einen unangemessen niedrigen Betrag und trug keine Signatur, keine Widmung. Trotzdem gehörte es ebenfalls nicht hier her.

Erst zu Hause entdeckte ich, dass auf der letzten Seite eine eMail-Adresse notiert ist. Sercan. Das Buch ist gar nicht traurig. Jemand will, nachdem man es durchgelesen hat, dass man ihm schreibt. Er wollte es teilen. Wahrscheinlich nicht mit mir, aber mit einer Frau, die sich in die Worte von Selim verliebt und nun den Rest ihres Lebens mit Sercan verbringen will.
Was für ein schöner Gedanke.

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Verlagssuche – Ein kleiner Leitfaden

Die Frage, wie und wo man veröffentlichen kann, taucht immer wieder auf. Im Netz schwirren dazu unzählige, oft leider falsche Informationen herum. Eine für jeden richtige Antwort gibt es nicht, aber doch einen „üblichen“ Weg. Meine Vorschläge gelten hauptsächlich für Romanmanuskripte und Autoren, die noch nicht veröffentlicht haben.

1. Manuskript zu Ende schreiben
Auch wenn die Verlage/Agenturen meist erst eine Leseprobe haben wollen – das Manuskript sollte fertig sein. Neue Autoren müssen beweisen, dass sie ein Buch auch abschließen können.

2. Manuskript korrigieren
Grammatik, Rechtschreibung. Eigentlich selbstverständlich, aber es gibt Autoren, die ihr Genie nicht durch solche Kleinigkeiten belasten wollen. Sie werden in der Regel verkannte Genies bleiben. Auch eine weiter gehende Überarbeitung schadet dem Manuskript nicht. Die Qualität des eigenen Werkes zu beurteilen ist dagegen kaum möglich, und auch „professionelle“ Manuskriptprüfungen, die viel Geld kosten können, sind eher nutzlos. Erschwerend kommt hinzu, dass wirklich schlechte Autoren meist jene sind, die am meisten von sich und ihrem Werk überzeugt sind. Wer nicht wenigstens ab und zu am Schreiben verzweifelt bringt m. E. die wichtigste Voraussetzung nicht mit: Selbstkritik.

3. Eine Agentur suchen
Literaturagenturen sind der Königsweg. Leider ist es noch schwieriger, als Neuling eine Agentur zu überzeugen, wie einen Verlag zu finden. Aber man sollte generell „von oben nach unten“ arbeiten, denn Agenturen sehen es aus nachvollziehbaren Gründen nicht gerne, wenn der Autor bereits alle Verlage abgeklappert und eine Absage nach der anderen kassiert hat.

Agenturen suchen Manuskripte, die sich verkaufen lassen, denn sie verdienen erst dann Geld, wenn es zum Vertragsabschluss mit einem Verlag kommt. Üblich sind 15% bis 20% an den Einnahmen des Autors. Seriöse Agenturen verlangen niemals vom Autor vorab Geld, weder für Manuskriptbegutachtung, noch für Lektorat oder „Portokosten“ oder, oder, oder. Erst wenn der Autor einen Verlagsvertrag in der Hand hat und Geld verdient, verdient auch die Agentur. Um die für das eigene Manuskript richtige Agentur zu finden sollte man sich die Referenzen anschauen: welche anderen Schriftsteller werden vertreten und wurden veröffentlicht? Passt das eigene Buch in dieses Programm? Und schon wartet wieder Arbeit: gefordert wird ein (kurzes) Exposé und meist die ersten zwanzig bis dreißig Seiten als Leseprobe. Erst wenn diese überzeugt wird das ganze Manuskript angefordert.
Das Exposé´zeigt, in welche Schublade sich das Buch einordnen lässt. Die Leseprobe reicht, um beurteilen zu können, ob das Buch handwerklich etwas taugt und/oder von den Lesern angenommen wird.

Die „Standard“-Seite im Netz mit Adressen von Agenturen ist Uschtrin.

4. Einen Verlag suchen
Ein halbes Jahr später. Die Depression nach der letzten Agenturabsage ist langsam überwunden, aber man ist immer noch überzeugt davon, dass die Welt genau auf dieses Buch gewartet hat. Das Spiel beginnt: die zum Manuskript passende Verlage müssen gefunden werden. Eine sehr gute Anlaufstelle ist die nächste Buchhandlung, eine weitere eine der Buchmessen. Die Idee, dort mit einem Manuskript unter dem Arm einen Lektor zu finden und zu überzeugen, ist nicht neu, funktioniert aber fast nie. Adressen sammeln dagegen schon. Genauso wie die nachträgliche Recherche, ob und wie die Bücher des Verlages präsentiert werden: liegen Bücher des Verlages in der Buchhandlung, werden sie bei Amazon gelistet, mit welcher Lieferzeit, wie präsentiert sich der Verlag auf seiner Webseite, gibt es ein erkennbares Programm, oder werden „Kraut und Rüben“ veröffentlicht?
Wieder werden Exposé und Leseprobe verschickt, nicht bevor jeder Umschlag mit einem feierlichen Ritual dem Briefkasten anvertraut wird.

5. Absagen, Absagen, Absagen
Die Wahrscheinlichkeit, ein gutes Romanmanuskript in einem Verlag zu veröffentlichen, ist hoch. Die Wahrscheinlichkeit, ein gutes Romanmanuskript geschrieben zu haben, dagegen weniger. Das gilt vor allem für Erstlingswerke – wenn man etwas hinter die Kulissen schaut wird man feststellen, dass bereits vor dem „aufsehenerregenden literarischen Debüt“ eine längere Schreibkarriere vorausging – mit vielen unveröffentlichten Versuchen. Auch „Mein Leben mit Mitsu“ ist nicht meine erste Veröffentlichung, und schon gar nicht mein erstes Manuskript. Das ging an „Suhrkamp“, als ich 14 war, und wurde mit einem schönen Schreiben abgelehnt (ich solle mich mal wieder melden). Ansonsten habe ich mich an diese Liste überhaupt nicht gehalten, sondern habe „aktiv gewartet“, bis sich die richtige Verlagstür öffnete. Das hat etwas länger gedauert, aber auch das gehört zum Schreiben: viel Geduld zu haben.

6. Sackgassen
BoD und LuLu machen es einfach, das eigene Werk gedruckt ins Regal zu stellen. Man spart sich die Qualitätsdiskussion und kann sofort ein Buch auf den eh schon überfüllten Markt schmeißen. Was auch viele tun. BoD und LuLu signalisieren dem Leser, dass das Buch für einen „richtigen“ Verlag nicht gut genug war (was auch meistens stimmt). Zudem sind die Bücher auch noch teurer als „normal“ verlegte Bücher, was sie endgültig zum Kassengift mutieren lässt.
Der Begriff Sackgasse mag etwas hart klingen und man wird immer wieder das eine glänzende Gegenbeispiel finden. Diese haben aber den Charakter der Stecknadel im Worthaufen.

7. Fazit
Der Weg zum Buch ist meist beschwerlich, links und rechts warten Fallen, um den Jungautor zu ködern. Die Fallen sind eigentlich leicht zu erkennen: anstatt Geld zu verdienen verliert der Autor mit seiner Leistung Geld, das meist unwiederbringlich verloren ist. Die Veröffentlichungssituation ist eigentlich paradiesisch, was aber auch bedeutet, dass sich immer mehr Bücher um die begrenzte Lesezeit bewerben. Das erste Buch ist also „nur“ eine Zwischenstation. Viel einfacher wird es danach – leider – nicht.
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Der Sturm

Ein kleiner Nachgedanke:

Neben dem aufflackernden Sicherheitsbedürfnis fiel mir vor allem eines auf: Kyrill war ein ähnlich verbindendes Erlebnis wie die Fußball-WM, eine Art Rückkehr des nach dem Sommer 2006 vermissten Gemeinschaftserlebnis, medial inszeniert. Es gab bisher, trotz aller Katastrophe, keinen fröhlicheren Orkan in Deutschland. Sorgfältig vorbereitet fehlten eigentlich nur die Großleinwände und Autokorsos, Flaggen und Bemalungen, was an den Umständen liegt. Nicht an der fehlenden Lust, die Katastrophe als Ereignis zu zelebrieren.
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„Autor des Jahres 2006“

Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Ist es aber, und es war eine riesige Überraschung am heutigen Donnerstag.

Das größte deutschsprachige Bücherforum veranstaltet einen monatlichen Schreibwettbewerb, bei dem es um Ruhm und Ehre, aber vor allem um viel Spass geht. Ernst wird es dann am Jahresende, wenn die jeweiligen Siegertexte des Monats gegeneinander antreten. Es winkt ein Büchergutschein, aber vor allem natürlich noch mehr Ruhm und Ehre.
Ich war dieses Jahr mit zwei Geschichten beim Schlussspurt vertreten, Giraffen und Eileen. Vor allem die Giraffen beschleunigten enorm und ergatterten viele Punkte, strauchelten aber auf den letzten Metern und wetzten als zweite durchs Ziel. Die Gewinnergeschichte wurde Churchills krähenschwarzes „So kalt.“

Die große Überraschung folgte heute Mittag: zum ersten Mal wurde auch ein „Autor des Jahres“ gekürt, für die höchste erreichte Gesamtpunktzahl. Und hier half „Eileen“ den Giraffen, mit einer Halslänge über die Zielgerade zu galoppieren.

„Da freut sich aber einer“ wäre jetzt leicht untertrieben ...

Ein riesiges, herzliches Dankeschön an alle Büchereulen, die gelesen und gepunktet haben, und Glückwünsche an alle Autoren, die durch ihre guten Geschichten den Wettbewerb so spannend und lesenswert gestalteten.

Alle Geschichten sind hier nachzulesen, die Punktewertungen und Statistiken des Jahres hier.
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Neues Jahr, neues Apfelglück?



Das neue Jahr möchte ich in diesem Blog mit einem für mich etwas ungewohnten Thema starten.

Es hat gedauert.
Die Gerüchte um einen Video-iPod, der nur aus einem Touchscreen besteht, sowie einem Apple iPhone machten im WWW schon so lange die Runde, dass viele nicht mehr daran glauben wollten.
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